Letzten Sonntag habe ich zusammen mit einer Freundin eine Kräuterwanderung mit Kirsten Evenschor am alten Raerener Bahnhof gemacht. Immer wenn wir ein Kraut sahen, fragten wir gleich: "Und was ist das?" Zu allem und jedem hatte Kirsten einen Namen und auch gleich eine Geschichte parat. Es war wunderbar. Ich habe so viel gelernt. Über 40 Pflanzen haben wir besprochen. Damit ich nichts vergesse, habe ich eifrig Fotos gemacht und die Namen aufgeschrieben.
Details zur Heilwirkung konnte ich nicht alle aufschreiben, so dass ich diese in verschiedenen Bücher nachgeschlagen habe. Einige der Pflanzen, die wir gefunden haben, will ich euch hier kurz zeigen:

Der Dost (Origanum vulgare) auch Wilder Oregano genannt, kann, genau wie Oregano, als Gewürz verwendet werden. Es war früher ein Kraut gegen Traurigkeit und Schwermut und der Dost sollte den Teufel abhalten. Ein Tee aus blühendem Dost, hilft gegen Husten und Halsschmerzen. Der Duft des Dostes entspannt, entkrampft und lindert Schmerzen. Als Dost wird gelegentlich auch der Wilde Majoran (Origanum majorana) bezeichnet.

Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) riecht und schmeckt nach Knoblauch. Man kann die fein gehackten Blätter z.B. im Kräuterquark verwenden. Sie wirkt zudem desinfizierend und schleimlösend.

Zunächst hielten wir die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis) für Fichtenspargel, einen Fichtenparasit. Allerdings waren nirgendwo Fichten in der Nähe. Die Vogel-Nestwurz gehört zu den Orchideen und ist gefährdet.

Aus Tintlingen wurde früher Tinte hergestellt. Man legte die Köpfe der Tintlinge in ein Gefäß und wartet bis die sich in eine schwarze flüssige Masse verwandelt hatten. Dann mischte man die Tinte mit Gummi Arabicum, um sie zu stabilisieren und heute kann man sie mit Phenol haltbar machen. In alten Büchern kann man heute noch die Sporen in der Tinte nachweisen.

Die ganz jungen Triebe der Eberesche (Sorbus aucuparia, L.) kann man essen. Sie riechen und schmecken leicht nach Marzipan. Wobei davon abgeraten wird, davon zu viel zu essen. Übrigens sind die Beeren der Eberesche nicht giftig, sollten aber nicht roh gegessen werden. Man kann aus den Beeren Marmelade kochen.

Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird heute noch als Anti-Depressivum eingesetzt. Darüber hinaus wurde es früher als Wundheilmittel verwendet. Nach der Einnahme wird die Haut lichtempfindlicher und man muss sich stärker vor Sonnenstrahlen in Acht nehmen, außerdem hat das Johanniskraut Auswirkungen auf andere Medikamente z.B. die Anti-Baby-Pille. Mit Johannis-Kraut kann man sich auch die Haare färben.

Das echte Johanniskraut erkennt man an der Perforation in den Blättern, das sind die Öldrüsen.

Der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) wurde früher häufig als Heilpflanze verwendet und junge Triebe und Blätter als Gemüse gekocht. Bei empfindlichen Menschen kann es nach Berührung der Pflanze zu Ausschlägen kommen. Der Tee aus der Wurzel hilft gegen Blähungen und Verdauungsstörungen.

Der Beifuß (Artemisia vulgaris) wurde und wird meist zum Räuchern verwendet. Er findet sich u.a. in den chinesischen Moxa-Zigarren. Beifuß wird reinigend auf den Magen-Darm-Trakt. Der Beifuß ist eine Zauberpflanze, die bereits bei den Kelten und den Germanen bekannt war. Sie trugen am Johannistag einen Gürtel aus Beifuß und war ihn anschließend ins Johannisfeuer, um sich vor Krankheiten zu schützen. Auch wurde Beifuß vor der Eingangstür oder am Dachfirst aufgehangen, um böse Geister zu vertreiben.

Mit dem Färber-Wau (Reseda luteola) kann man Wolle und Seide gelb färben.

Der Gundermann/Gundelrebe Glechoma hederacea) ist eine sehr häufige Pflanze, die auch wild in unserem Garten wächst. Früher wurden die jungen Blätter als Gemüse verwendet. Der Gundermann wurde auch als Heil- und Zauberkraut verwendet. So sollte die Pflanze gegen Hexen wirken und mehr Milch bei den Kühen bringen.

Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) ist mit dem Maiglöckchen verwandt und giftig. An den kleinen Blüten bilden sich im Herbst schwarze Beeren, die ebenfalls giftig sind. Die Knolle in der Hosentasche getragen war früher ein Mittel gegen Hühneraugen. Sie wurde bzw. wird noch bei Prellungen, Blutergüssen oder geröteter in Salben oder feuchten Umschlägen verwendet. Außerdem so sagte man, stelle die Vielblütige Weißwurz die Verbindung zwischen der Anderswelt und den Menschen her. Dort wo sie wächst, ist besonderer Boden und es sind Elfen und Waldgeister präsent.
Das Posting soll einen kleinen Überblick über die Vielzahl von einheimischen Gewächsen geben, die vernachlässigt am Wegesrand stehen. In keinster Weise kann ich empfehlen, gleich loszurennen und irgendwelche Kräuter zu essen. Aber ich denke, das dürfte jedem klar sein. Ich hoffe aber, dass der ein oder andere von euch beim spazieren gehen vielleicht einmal genauer hinsieht, was es da am Wegesrand zu entdecken gibt.
Alle Pflanzen der Kräuterwanderung mit deutschem und lateinischem Namen finden sich auf flickr.
Schön und hilfreich finde ich übrigens folgende Kräuterbücher:
Alles über Heilpflanzen: erkennen, anwenden und gesund bleiben von Ursel Bühring
Die Kräuter in meinem Garten von Siegrid Hirsch
Kräuter-Rezeptbuch: Hausmittel & Salben, Säfte & Marmeladen, Kräuterwein & Liköre, Essig & Öl von Siegrid Hirsch
Handbuch der Klosterheilkunde von Dr. Johannes Gottfried Mayer (leider vergriffen)
Die Kräuterapotheke Gottes: Sammeln und anwenden von Eva Aschenbrenner
Online gibt es zwei schöne alte Bücher:
Ein altes Kräuterbuch KRÄUTERBUCH VON
JACOBUS THEODORUS "TABERNAEMONTANUS" ANNO 1625 von 1625
Sehr umfangreiche Pflanzenbeschreibungen hat auch die Oekonomische Encyklopädie von Krünitz von 1773.