Ich gestehe, ich hatte nie viel keine Ahnung von Kunst. Den meisten Kunstwerken konnte ich nichts abgewinnen. Museumsbesuche waren ein Graus. Was machen diese ganzen halbnakten Gestalten auf den Bildern? Und wer soll das überhaupt sein? Ein paar Bilder, die in gestickter Version in meinem Elternhaus hingen, kannte ich zwar wie den Armen Poeten oder den Bücherwurm von Spitzweg. Einige Magrittes hatte ich aus dem Lexikon abgemalt und meinen Eltern geschenkt. Das waren Bilder, die ich mochte. Aber als ich Kunst schriftlich in der Oberstufe wählte und dann eine 5 für meine Bildinterpretion von Caspar David Friedrichs Die Frau am Fenster bekam, zerstörte das jegliches Interesse an Kunst.
Kunst kann man eigentlich nur verstehen, wenn man die antiken Sagen, die Bibel und die Geschichte Europas perfekt intus hat, dachte ich mir. Im Rahmen des Homeschoolings haben wir uns mehrfach mit einzelnen Künstlern, ihrer Zeit und ihren Bildern beschäftigt. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto spannender fand ich das Ganze und ich wollte mehr wissen. Deshalb habe ich mir einige Bücher über Kunst gekauft, unter denen ich eines gerade komplett verschlungen habe. Was zeigt, das Bücher über Kunst eben genau wie Kunst selbst nicht trocken und langweilig sein müssen.
Das Buch Kunst für Einsteiger basiert auf der Sendung "Nie wieder keine Ahnung! Malerei" des SWRs, in der zwei Kunstprofessoren Enie van der Meiklokjes anhand von 14 Bildern die die Geschichte der Malerei erklären. Die Redakteure tüftelten ein Jahr an der "Sendung, die die Geschichte der Malerei von den Anfängen bis heute - befreit von jeglichem Fachchinesisch - runter auf den Erdboden bringen sollte." So wurde für die Sendung, die ich leider nirgendwo als DVD erhalten konnte, "alles weggelassen, was man (noch) nicht braucht, das was man braucht auf die Grundidee reduziert und das Reduzierte so formuliert, dass es auch jeder versteht."
Dass bei dieser Herangehensweise viele spannende Künstler gar nicht oder nur kurz erwähnt werden, versteht sich dabei natürlich von selbst, denn so sagen die Autoren selbst, das Buch sei ein "Mega-Maggiwürfel", konzentrierter gehe es nicht. Aber genau diese Konzentriertheit und die leichte Sprache macht den Charme des Buches aus.
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So wurde erklärt, dass die Griechen und Römer bereits wunderbar perspektivisch malen konnten und dass nur der, als wahrer Könner galt, der ein Wasserbecken so realistisch darstellen konnte, dass es immer wieder von durstigen Vögeln angeflogen wurde.
1.200 Jahre später im Mittelalter schien man all das allerdings wieder vergessen zu haben, die Figuren wirken hölzen, die Perspektive wirkt verzerrt. Warum?, fragte ich mich da schon immer. Haben die Leute während dieser Zeit das Malen verlernt? Perspektive und naturgetreue Abbildung des Gesehenen waren einfach nicht mehr wichtig. Bilder waren nahezu ausschließlich ein Mittel der Kirche, ohne Worte den Menschen klarzumachen auf was es im Leben und im Glauben ankam. So wurden die wichtigen Teile des Bildes vergrößert oder in einem falschen Winkel dargestellt, so dass wirklich jedermann den Inhalt eindeutig verstehen konnte.
Nach dem nicht nur für die Kunst finsteren Mittelalter erblühten im 14. und 15. Jahrhundert die italienischen Handelsstätte und damit auch die Kunst in Italien und in Europa. Kunst und Wissenschaft vermälten sich und die Zentralperspektive entstand. Das war die Zeit der großen Künstler wie Michelangelo, Da Vinci, Raffael und auch Dürer, die Zeit der Renaissance, der Rückbesinnung auf die Antike.
Doch auch diese Epoche hatte ein Ende und zwar als die Türken Konstantinopel, das heutige Istambul, eroberten. Die italienischen Handelswege waren nicht mehr benutzbar und dazu kam, dass Länder wie Spanien, Portugal und die Niederlande ihrerseits neue Handelswege über das Meer erschlossen hatten.
Die Niederlande profitieren enorm von diesem Boom und mit ihnen auch die Kunst u.a. von Rubens, Rembrandt und Vermeer. Durch die Reformation durch Martin Luther waren religiöse Bilder, die in Kirchen hingen, verabscheuungswürdig und die Kirche als alleiniger Herrscher über die Kunst neben dem Könighaus brach weg. Statt dessen fingen an die reichen Bürger der Stadt an, sich Bilder in ihre Häuser zu hängen. Das waren jetzt auch nicht mehr nur Szenen aus Bibel und Sagen und Porträts, sondern auch Stillleben und Landschaftsmalerei. Es war das Zeitalter des Barocks.
Irgendwann nach der französischen Revolution, während die Industrialisierung immer weiter voranschritt und die Natur immer mehr verschmutzt wurde, sehnten sich die Menschen nach Romantik und Idylle, zurück zum Mittelalter, in die Zeit in der es noch Wunder, Geister und Märchen gegeben hatte. Das war die Zeit der Gebrüder Grimm, Casper David Friedrichs und Carl Spitzwegs.
Im 19. Jahrhundert kam es durch die Industrialisierung und der Unterdrückung der Arbeiter überall in Europa zu Unruhen und Aufständen und die Maler begannen auch Armut und Elend der Welt zu malen. Der Realismus begann.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts trat die naturgetreue Abbildung eines Motivs in den Hintergrund und die ersten Impressionisten traten auf. Wichtiger wurde die Stimmung des Motivs, die Impression, die es beim Betrachter auslöst. Zu eben dieser Zeit wurden auch die Farbtuben erfunden, so dass es den Malern wie Monet, Renoir und Degas erstmals möglich war für längere Zeit ohne riesige Ausstattung im Freien zu malen.
Anfang des 20. Jahrhunderts ging man in der Kunst noch einen Schritt weiter. Es ging nicht mehr um die Impression, die das Gemälde beim Betrachter auslösen sollte, sondern vielmehr drückte der Maler seine innere Haltung mit dem Bild aus. Häuser waren plötzlich rot, Haare blau und Pferde gelb. George Braque, Paul Klee und Franz Marc benutzten die Farbe um ihre innere Stimmungen zu verdeutlichen.
Wassily Kandinsky machte dann 1911 den letzten Schritt in Richtung abstrakter Kunst. 18.000 Jahre lang hatten die Maler immer versucht reale Dinge darzustellen, damit war auf einmal Schluss. Bamm.
Neben der Einführung in die Kunstgeschichte, von der ich wirklich viel gelernt habe, geht das Buch noch auf Themen und Arten von Bildern ein, sowie auf den Künstler und den Betrachter. Toll ist, dass einzelne Werke wirklich ausführlich mit Bezug auf die jeweilige Zeit erklärt werden.
Ich bin wirklich sehr begeistert von Kunst für Einsteiger und kann es allen, die keine Ahnung von Geschichte und/oder Kunst haben nur empfehlen. Das wird sich danach auf jeden Fall ändern und ich kann sagen, ich freue mich schon auf den nächsten Museumsbesuch, bei dem ich dann mal mein Wissen am Objekt testen kann.



















