Ich war sehr gespannt auf Hab ich selbst gemacht: 365 Tag, 2 Hände, 66 Projekte von Susanne Klingner, denn die Zusammenfassung klang vielversprechend.: "[...] Die Journalistin Susanne Klingner startet den Selbstversuch - und schreibt darüber. 365 Tage im Rausch des Selbermachens: vom Käse bis zum Stollen, vom Kleinen Schwarzen bis zu den Schuhen, von der Seife bis zur Zahnpasta. Intensiv, erkenntnisreich und äußerst unterhaltsam."
Schon als das Buch hier ankam, war ich enttäuscht: ein Taschenbuch? Und gar keine Bilder? Ich hatte mir eher vorstellt, dass es ein Buch sein würde, in dem die einzelnen Projekte der 365 Tage mit tollen Bildern und Anleitungen vorgestellt würden. Ganz falsch.
Das Buch handelt von den Erlebnissen der Journalistin, die Silvester den Entschluss fasste, ein Jahr lang alles selber zu machen. Sie beschreibt dabei ihre Erfolgserlebnisse, das Verhalten ihrer Freunde und Bekannten, das ihres Mannes aber auch ihre Frustrationen und die Motivation von Menschen, die etwas selbst machen. Vereinzelt sind auch Rezepte eingefügt z.B. ein Stollen- und Brotrezept.
Susanne Klingner lässt sich viele Dinge wie das Käsemachen und das Schuhe herstellen in Kursen auf dem Land beibringen, nutzt aber auch Bücher und Youtoube. Allerdings kommt die Autorin aus einer Familie der Selbermacher und konnte schon im Vorfeld sehr gut nähen und handwerkern, was dem Thema auch ein bisschen den Reiz nimmt.
Ihr Mann, den sie im Buch auch nur "der Mann" nennt, ist bei der ganzen Aktion immer sehr skeptisch und lässt aber hin und wieder dazu hinreißen eins von den Projekten mitzumachen. Trotz allem bleibt er bis zuletzt flach und wenig sympathisch.
Mir fehlte sehr die Beschreibung eines Supermarktbesuches: Was hat sie gekauft? Was waren ihre Überlegungen beim Einkaufen? Was hat sie nicht gekauft? Auch wurde nicht erwähnt, ob sie sich wirklich das ganze Jahr über keine neuen Kleider gekauft hat? Ob es andere Wünsche gab, denen sie einfach widerstanden hat? Warum sie Zahnpasta selbst gemacht, aber beispielsweise kein Duschgel, Haarschampoo oder Haushaltsreiniger?
Schön fand ich, dass Frau Liebe und ihr Blog ein eigenes Kapitel bekamen und man so einiges über Frau Liebe, die von der Autorin interviewt wurde, erfährt.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse von Susanne Klingner während ihres Selbermachjahrs war, dass es beim Selbermachen nur "ein Prinzip gibt: Eins nach dem anderen und immer schön langsam." Für eine solche Erkenntnis meint sie, müssten andere monatelang ins Kloster gehen.
Käse, Butter, Schuhe und Berliner selber machen war bisher noch nicht auf meiner "unbedingt machen"-Liste und werden auch nach diesem Buch nicht darauf landen. Hin und wieder versucht Susanne Klingner immer wieder Hintergrundinformationen z.B. zum jährlichen Verbrauch von Damenbinden einzustreuen, was ich persönlich gar nicht so interessant finde und mich im Lesefluss eher stört. Vielleicht konnte ich mich auch nicht genug mit der Autorin, einer Double-Income-No-Kids-Journalistin, die in einer Wohnung in der Großstadt wohnt, identifizieren.
Als jemand der hin und wieder etwas selber macht, hat mir das Buch jedenfalls wenig neues geboten. Die Frustrationen und Erfolgserlebnisse kenne ich selbst und ihre waren auch nicht so witzig erzählt, dass ich viel gelacht hätte. Da hätte man viel mehr draus machen können.
Alles in allem ein Buch, das man lesen kan. Wenn man es nicht tut, dann hat man aber auch nichts verpasst.
Toll finde ich allerdings, dass der Verlag nützliche Links und Tipps aus Hab ich selbst gemacht auf seiner Webseite veröffentlicht hat.



